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Gesund im Mund: Die Bedeutung des Speichels

Speichel, im Volksmund auch Spucke genannt, hat aus zahnmedizinischer und medizinischer Sicht viele wichtige Aufgaben für die Gesundheit. Speichel ist das Sekret der kleinen und großen Mundspeicheldrüsen. Mehr als 90 Prozent des Speichels bilden die großen Mundspeicheldrüsen. Den Rest erzeugen die kleinen Speicheldrüsen, die sich verstreut in der Mundschleimhaut finden. Ein Liter Speichel wird pro Tag von den Speicheldrüsen produziert.

Speichel durchfeuchtet sowohl den Mund als auch die Nahrung, wirkt als Gleitmittel beim Schlucken, reinigt den Mundraum und die Zähne. Außerdem enthält der Speichel eine Vielzahl von Inhaltsstoffen zur Abpufferung von Säuren sowie zur Remineralisation des Zahnschmelzes. Er kann zudem Speichel Bakterien, Viren und Pilze abwehren.

Störungen der Speichelsekretion können sich als vermehrte oder verminderte Speichelmenge bemerkbar machen. Man unterscheidet daher:

  • Hypersalivation oder Hypersialie: Vermehrte Speichelsekretion
  • Normosalivation oder Normosialie: Normale Speichelsekretion
  • Hyposalivation oder Hyposialie: Verminderte Speichelsekretion
  • Asialie: Vollständiges Versiegen der Speichelsekretion

Vermehrter Speichelfluss kann z.B. durch Aufregung, Schmerzen, Vergiftungen u.a. hervorgerufen werden. Eine verminderte Speichelsekretion führt zu Mundtrockenheit (Xerostomie). Darunter leiden etwa vier Prozent der Bevölkerung. Mundtrockenheit lässt das Essen zur Qual werden. Die Lippen kleben aufeinander und können aufreißen. Außerdem bereitet das Sprechen Schwierigkeiten. Ursachen für Mundtrockenheit können eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme und eine dadurch bedingte Austrocknung sein oder auch die Nebenwirkung von Medikamenten. Patienten nach Tumorbestrahlung leiden häufig unter Mundtrockenheit. Diese Patienten sind besonders gefährdet, schnell Karies und andere Erkrankungen der Mundhöhle zu entwickeln.

Ein gesunder Mundraum enthält eine Keimmischung mit einem relativen Gleichgewicht. Der Mundraum ist gut belüftet und wird durch den Speichel gespült. In einer Zahnfleischtasche fehlt dagegen die Belüftung und Spülung, die pathogenen Keime können sich massiv vermehren und es kommt zu einer Keimverschiebung. Als „Transport-Medium“ kann der Speichel dann beispielsweise krankhafte Keime auch zu Stellen im Mund mit Verletzungen bringen. Mundbakterien gelangen so über die Blutbahn in den Organismus und können z.B. am Herzen eine Infektion (Endokarditis) auslösen.

Der Speichel spielt heute eine wichtige Rolle in der Prävention oraler Erkrankungen. Wissenschaftler sprechen von einer „äußerst hilfreichen, interessanten, komplexen und noch lange nicht in allen Konsequenzen erforschten Körperflüssigkeit". Der Speichel bietet viele Schnittstellen zu anderen medizinischen Bereichen wie z.B. Genetik, Immunologie, Mikrobiologie, Ernährungswissenschaft, Onkologie u.a. Er ist für die Diagnostik allgemeinmedizinischer Erkrankungen sowie für die Früherkennung eines Karies- oder Parodontitisrisikos ein wichtiger Indikator. Derzeit wird weltweit an Möglichkeiten gearbeitet, chronische oder akute Erkrankungen von Herz, Leber und Niere frühzeitig mit Hilfe des Speichels aufzudecken. Das typische Eiweißprofil ändert sich bei Menschen, denen es nicht gut geht.

Im Ratgeber für Patienten: So halten Sie Ihren Speichel gesund finden Sie wertvolle Tipps für ein gesundes Mundklima.

Redaktion e|pat|in® / 15.09.2008


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